Übe dich im Geist des Nicht-Wissens

Übe dich im Geist des Nicht-Wissens

Offen sein heißt, ohne Konzept auf die Welt zuzugehen. Etwa in eine Blume das Wunder des Lebens zu erkennen und es dankbar anzunehmen.

Wir haben gelernt, an Konzepten und Vorstellungen festzuhalten. Sie geben uns Sicherheit in einer sich ständig veränderten Welt. Wer wir sind und welche Bedeutung die Dinge um uns herum haben, sollte unserer Meinung nach fest und dauerhaft sein. Wir wollen uns auf die Zukunft verlassen können.

So pflegen wir unsere Persönlichkeit und unser vertrautes Selbstbild. Doch unser wahres Ich bleibt uns dabei irgendwie fremd. Wir halten Formen und Regeln für dauerhaft, doch letztendlich sind unsere Konzepte und Ideen auch nicht mehr als Seifenblasen. Für eine Weile sind sie da, doch dann lösen sie sich auf, sie kommen und gehen, wie alles auf der Welt.

Durch „kleine Tode“ wie Krankheiten, Krisen, aber auch in Zeiten wo wir sehr verliebt sind, passiert es häufig, dass wir uns komplett öffnen, uns nicht weiter an unsere Vorstellungen klammern, sondern uns in unserem Innersten auf etwas Neues einlassen.

Das ist es, was mit dem Geist des Nicht-Wissens gemeint ist: den Moment ohne Urteil anzunehmen. Wir sehen nichts Neues, sondern die Dinge auf eine andere Weise, die komplexer und schöner ist.

 

Was siehst du?

Der Zen-Meister Thich Nhat Hanh hat dazu eine simple Übung: Er hält ein weißes Blatt Papier hoch und fragt die Zuschauer, was sie sehen. „Ein leeres Blatt“ antworten die meisten. Kinder und Künstler wiederum sind da etwas kreativer, sie sehen Wolken, Regen oder Bäume.

Der Zen-Meister drückt es so aus: Ohne Wolken gibt es keinen Regen. Ohne Regen können Bäume nicht wachsen und ohne Bäume können wir kein Papier herstellen. Alles steht miteinander in Verbindung. Lösen wir uns von unseren vorgefertigten Antworten, erkennen wir die wirklichen Zusammenhänge.

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